9. Diagnose
     
Was macht Ihr Augenarzt, um ein Glaukom zu entdecken?
    Ihr Augenarzt hat mehrere diagnostische Hilfsmittel, die ihn erkennen lassen, ob Sie an einem Glaukom erkrankt sind oder nicht und das noch bevor sich die ersten Beschwerden entwickelt haben.
     
    Wir werden Ihnen nun hier ein paar dieser Geräte und Untersuchungsmethoden vorstellen:
     
    – Augendruckmessung (Tonometrie)
    – Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie)
    – Ophthalmoskopie
    – Gonioskopie
    – Laser-Scanning-Tomographie/Polarimetrie
    – 24h Blutdruckmessung
    – Kapillarmikroskopie
    – Farbduplex-Sonographie
    – Laser Doppler Flowmeter (LDF)
     
    Die Augendruckmessung (Tonometrie)
   

     
    Das Tonometer (Augendruckmessgerät) misst den Augeninnendruck. Wie Sie vielleicht schon gesehen haben, gibt es unterschiedliche Methoden, den Augeninnendruck zu messen. Die geläufigsten sind der Applanations-Tonometer und der Luft-Tonometer. Falls Ihr Augenarzt ein sogenanntes Applanations-Tonometer benutzt, muss Ihre Hornhaut vor der Untersuchung mittels Augentropfen betäubt werden. Während Sie auf dem Untersuchungsstuhl sitzen wird Ihnen ein Kunststoffzylinder leicht auf das Auge gedrückt, um so den Augendruck zu messen. Beim Luft-Tonometer hingegen, wo es keine Hornhautbetäubung braucht, wird ein Luftstoss gegen die Hornhaut geschickt, worauf der Augendruck am Gerät abgelesen werden kann.
     
    Bekanntlich verhält sich der Augeninnendruck beim Glaukom-Patienten grundsätzlich anders als beim Gesunden. Nicht nur der durchschnittliche Augendruck ist statistisch höher als beim Normalen, auch der Verlauf des Druckes über den Tag zeigt spezielle Charakteristiken. Zum Beispiel wird der höchste Augeninnendruck über einen 24-Stunden-Rhythmus bei Gesunden eher in der Nacht, beim Glaukom-Patienten eher morgens gefunden. Auch schwanken die Messwerte bei Glaukompatienten viel stärker als bei Normalen. Messungen des Augeninnendruckes verteilt über 24 Stunden sind somit eine weitere Hilfe bei der Beurteilung eines Glaukoms.
     
    Die Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie)
    Dies ist eine sehr wichtige Untersuchungsmethode in der Augenheilkunde, nicht nur für das Glaukom, sondern auch für andere Erkrankungen von der Netzhaut des Auges bis zum Gehirn.
     
    Was ist das Gesichtsfeld?
    Mit Gesichtsfeld ist der Bereich der Aussenwelt gemeint, den man, ohne das Auge zu bewegen, sieht. Untersucht wird das Gesichtsfeld für jedes Auge einzeln mit dem sogenannten Perimeter. Beim fortgeschrittenen Glaukom kommt es zu Ausfällen im Gesichtsfeld. Schliesslich verengt sich das Gesichtsfeld zunehmend, bis man nur noch einen kleinen Ausschnitt der Umwelt sieht.
     
    Wie schon erwähnt, gibt es beim Glaukom typische Gesichtsfelddefekte. Nach einer Untersuchung weiss Ihr Augenarzt, ob und was für Gesichtsfelddefekte sie haben. Er kann auch den Verlauf Ihrer Krankheit und somit auch die Wirksamkeit der Therapie beurteilen.
     

 
Die Perimetrie wird heutzutage voll automatisch mit Hilfe eines Computers durchgeführt: Sie sitzen in einem abgedunkelten Raum und schauen geradeaus in eine hohle Halbkugel. In dieser Halbkugel werden Ihnen dann unterschiedlich helle Lichtpunkte gezeigt. Für jeden gesehenen Lichtpunkt sollten Sie als Rückmeldung einen Knopf in Ihrer Hand drücken. Die Resultate werden dann vom Computer ausgewertet.
     
Es ist sehr wichtig, dass Sie die Untersuchung gewissenhaft und konzentriert durchführen, denn nur so kann das Gesichtsfeld richtig beurteilt werden. Hier muss angefügt werden, dass während der Untersuchung sogenannte «Fangfragen» eingebaut werden, mit welchen der Augenarzt die Zuverlässigkeit der Untersuchung bei Ihnen richtig einschätzen kann. Anhand der Computerauswertung erfährt er, ob Sie die Perimetrie sorgfältig durchgeführt haben.
     
     

 
Die Ophthalmoskopie
Hier betrachtet der Augenarzt mit Hilfe einer starken Lupe, welche er Ihnen vor das Auge hält, Ihren Augenhintergrund. Insbesondere schaut er auf den Sehnervenkopf, welcher auch Papille genannt wird. Den Zustand der Papille beurteilt er nach dem Aussehen, der Form, der Farbe und anderen Parametern. Zusätzlich werden die Papillen beider Augen miteinander verglichen. Diese Untersuchung wird oft auch bei medikamentös erweiterten Pupillen durchgeführt, um einen noch besseren Einblick in das Auge zu erhalten.
         
   

 
Die Gonioskopie
Die Gonioskopie ist nichts anderes als eine Betrachtung des Kammerwinkels. Dieser ist ohne Hilfsmittel nicht einsehbar. Nach einer Betäubung der Hornhaut mittels Augentropfen muss daher eine spezielle Lupe zu Hilfe genommen werden, welche auf das Auge gelegt wird. Diese Lupe nennt man Gonioskopielinse. Der Augenarzt achtet auf die Kammerwinkelweite, auf Verwachsungen zwischen Iris und Hornhaut, auf neugebildete Gefässe und auf abnorm starke Pigmentablagerungen.
     
  Das Papillenfoto
    Indem vom Sehnervenkopf ein Foto angefertigt wird, kann der Augenarzt die Entwicklung der Krankheit über längere Zeit hinaus genau verfolgen. Kleinste Veränderungen können somit erkannt werden.
     
Weitere mögliche Abklärungsmethoden beziehen sich hauptsächlich auf die Bemessung des Schadens an der Papille, wie etwa die Laser-Scanning-Tomographie, und die Erfassung von Durchblutungsparametern wie die 24-Stunden Blutdruckmessung, Kapillarmikroskopie (Messung der Reaktivität kleinster Gefässe auf Kälte oder Stress an den Händen), Farbduplex-Sonographie (Messung der Durchblutung in den Gefässen hinter dem Auge) und Laser Doppler Flowmeter (Messung der Reaktivität kleinster Gefässe auf Stress im Auge). Weitere Details über diese Spezialuntersuchungen finden Sie in Fachbüchern (siehe «Anhang»).