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6. Risikofaktoren | |
| Welche Risikofaktoren begünstigen das Auftreten eines Glaukoms? | ||
| Jeder sollte sich im klaren darüber sein, dass er ein Glaukom entwickeln kann. Dies betrifft also Kinder, jüngere und ältere Erwachsene. Es ist wichtig für jeden von uns, dass man regelmässig seine Augen beim Augenarzt untersuchen lässt, weil eine frühe Entdeckung und Behandlung des Glaukoms die einzige Möglichkeit darstellt, sich vor einem Sehverlust oder sogar vor einer beidseitigen Erblindung zu schützen. Wann und wie oft man zum Augenarzt gehen sollte, werden wir genauer im Kapitel «augenärztliche Kontrollen» erläutern. | ||
| Man weiss, dass gewisse Personen ein erhöhtes Risiko haben, ein Glaukom zu entwickeln. Hier folgt nun eine Aufzählung der bekannten Risikofaktoren, und danach werden wir auf die einzelnen Risikofaktoren eingehen: | ||
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Erhöhter Augeninnendruck |
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Alter |
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Familiäre Belastung |
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Rassenzugehörigkeit |
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Kurzsichtigkeit (Myopie) und starke Weitsichtigkeit (Hyperopie) |
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Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Gefässverschlüsse |
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Langzeitbehandlung mit Kortison oder anderen Medikamenten |
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Ernstere Augenverletzungen oder frühere Augenoperationen |
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Schwere Entzündungen im Auge |
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Durchblutungsfehlregulationen |
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| Der durchschnittliche Augeninnendruck liegt beim Gesunden bei 1416 Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg). Werte bis 21 mm Hg gelten als normal. Früher galten Augeninnendruckwerte von 22 mm Hg oder höher als verdächtig und es wurde vermutet das solche Druckwerte ein zunehmendes Risiko darstellen würden. Heute wurde erkannt, dass es sehr viele Patienten gibt, welche die Krankheit bei normalen Augeninnendruckwerten entwickeln (siehe «Normaldruck-Glaukom»). Gewisse Menschen scheinen empfindlicher als andere auf den Augeninnendruck zu reagieren. Hinzu kommt, dass nicht alle Menschen mit erhöhtem Augeninnendruck ein Glaukom entwickeln. Ausserdem scheint weniger der mittlere Wert des Augeninnendruckes, als viel mehr das Ausmass der Schwankungen des Druckes zu schaden. Grössere Schwankungen des Druckes im Tagesverlauf schaden dem Sehnerven sogar, wenn der Augendruck nie die Grenze von 21 mm Hg übersteigt. | ||
| Alter: | ||
| Jeder Mensch kann unabhängig vom Alter an einem Glaukom erkranken, wobei ältere Leute ein deutlich erhöhtes Risiko haben, diese Krankheit zu entwickeln als jüngere. Es ist zu empfehlen, dass eine erste Kontrolle beim Augenarzt ab einem Alter von 40 Jahren erfolgen sollte (siehe «Augenärztliche Kontrolle»). | ||
| Familiäre Belastung: | ||
| Menschen, die Glaukompatienten unter ihren Verwandten haben, insbesondere falls es Verwandte ersten Grades sind (also Eltern oder Geschwister), sind besonders gefährdet diese Krankheit auch zu entwickeln. Es ist daher zu empfehlen, dass Menschen mit erblicher Belastung Kontrollen beim Augenarzt nicht unterlassen. | ||
| Rassenzugehörigkeit: | ||
| Die ethnische Abstammung hat einen Einfluss auf die Entwicklung eines Glaukoms. Menschen afrikanischer Abstammung zum Beispiel haben ein deutlich höheres Risiko, an einem Glaukom zu erkranken, als Weisse. Zudem entwickeln Japaner häufiger ein «Normaldruck-Glaukom» als Weisse. | ||
| Kurzsichtigkeit (Myopie) und starke Weitsichtigkeit (Hyperopie): | ||
| Weitsichtige haben ein höheres Risiko, ein akutes Engwinkelglaukom zu entwickeln, während die kurzsichtigen Augen ein erhöhtes Risiko für ein Pigmentdispersionsglaukom haben. Auf diese einzelnen Glaukomformen werden wir in einem anderen Kapitel (siehe «Glaukom-Formen») zu sprechen kommen. Es muss aber auch hinzugefügt werden, dass kurzsichtige Augen auch verstärkt druckempfindlich sind, was bedeutet, dass Kurzsichtige gegenüber Normal- und Weitsichtigen bei gleichem Augeninnendruck eine grössere Wahrscheinlichkeit haben, ein Glaukom zu entwickeln. | ||
| Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Gefässverschlüsse | ||
| Die Zuckerkrankheit kann zu schwersten Augenschäden führen. Hier beschränken wir uns aber auf Veränderungen, welche zur Entwicklung eines Glaukoms führen können. Beim Diabetes entstehen im fortgeschrittenen Stadium neue, hauchdünne und verletzliche Blutgefässe minderer Qualität. Falls diese in den vorderen Augenabschnitten entstehen und in den Kammerwinkel einwachsen, kann es zu einem «sekundären Glaukom» (siehe «Glaukom-Formen») kommen. Die neuen Gefässe im Kammerwinkel behindern den Abfluss des Kammerwassers und führen zum erhöhten Augeninnendruck. Ähnliche Veränderungen können bei Gefässverschlüssen auf der Netzhaut entstehen. | ||
| Langzeitbehandlung mit Kortison oder einigen anderen Medikamenten | ||
| Eine langandauernde, örtliche oder ganzkörperliche Behandlung mit Kortison kann zu einer Augeninnendrucksteigerung führen. Daher muss der Augeninnendruck bei Personen, die über längere Zeit mit Kortison behandelt werden, regelmässig kontrolliert werden. Hier muss angefügt werden, dass gewisse Menschen unter Kortisonbehandlung mit einer stärkeren Augeninnendruckerhöhung reagieren als andere. Diese Reaktionsfreudigkeit scheint ein höheres Risiko für die Entwicklung eines Glaukoms zu sein. | ||
| Ernstere Augenverletzungen oder frühere Augenoperationen | ||
| Auch frühere schwere Augenverletzungen oder Operationen im Augeninneren können zu einem Glaukom führen. Mögliche Mechanismen sind Risse im «Trabekelwerk» nach einer Augenprellung, welche später vernarben und dadurch dann den Abfluss des Kammerwassers behindern. Eine Verbrennung oder Verätzung kann diesen Abflussweg ebenfalls vernarben. | ||
| Schwere Entzündungen im Auge | ||
| Schwere Entzündungen im Auge, wie zum Beispiel eine Regenbogenhautentzündung, können zu einer Behinderung des Abflusses durch das Trabekelmaschenwerk und so eine Augeninnendruckerhöhung führen. | ||
| Durchblutungsfehlregulationen | ||
| Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird bereits vermutet, dass neben dem Augeninnendruck auch Durchblutungsstörungen an der Entwicklung des Glaukoms beteiligt sind. In der heutigen Zeit sind wir in der Lage Parameter der Augendurchblutung sowohl ausserhalb, wie auch innerhalb des Auges zu messen. Vieles weist darauf hin, dass die Durchblutung beim Glaukompatienten im Durchschnitt vermindert ist. Neuere Beobachtungen legen den Verdacht nahe, dass diese Durchblutungsverminderung dem Glaukomschaden voraus geht. Man nimmt deshalb an, dass Durchblutungsstörungen bei der Krankheitsentwicklung direkt eine Rolle spielen können. | ||
| Generell ist die Arteriosklerose die häufigste Ursache für Durchblutungsstörungen. Ein Zusammenhang zwischen einer Durchblutungsstörung im Auge aufgrund einer Arteriosklerose und Glaukom konnte allerdings bis heute nicht belegt werden. Die Hauptursache für Durchblutungsstörungen beim Glaukom scheint nicht die Arteriosklerose, sondern vielmehr eine Fehlregulation der Blutgefässe zu sein. Hierbei besteht keine kontinuierliche, sondern nur eine zeitweise Minderdurchblutung, zum Beispiel bei Stresssituationen oder Kälte. Man nimmt an, dass aufgrund zusätzlicher Störungen in den Erholungsmechanismen, solche zeitlich beschränkten Durchblutungsstörungen das Gewebe schädigen können (siehe weiterführende Literatur im «Anhang»). | ||
| Menschen mit Fehlregulationen der Gefässe, auch vaskuläre Dysregulation genannt, reagieren auf bestimmte Reize wie Kälte und emotionalen Stress intensiver mit Gefässkrämpfen (Vasospasmen) als andere und haben oft einen niedrigen Blutdruck. Alles zusammen wird unter dem Begriff «vasospastisches Syndrom» zusammengefasst. Es muss betont werden, dass es sich beim vasospastischen Syndrom nicht um eine Krankheit handelt, sondern lediglich ein bestimmtes Verhaltensmuster der Gefässe darstellt. Sein Vorhandensein kann aber bei zusätzlichen Risikofaktoren das Auftreten von bestimmten Erkrankungen begünstigen. | ||
| Gefässverengungen, wie wir sie beim vasospastischen Syndrom kennen, kommen in bestimmten Organen gehäuft vor. Diese Leute klagen zum Beispiel gehäuft über kalte Hände, haben häufiger Hörstörungen (Hörsturz oder Wahrnehmen von Geräuschen die nicht von der Aussenwelt stammen) und stumme (vom Betroffenen nicht bemerkte) Herzmuskelminderdurchblutungen. Auch konnte gezeigt werden, dass diese Fehlregulationen am Auge auftreten können. Für den Arzt ist es deshalb wichtig zu wissen, ob Sie an kalten Händen und Füssen leiden und ob Sie einen tiefen Blutdruck haben, um erste Hinweise zu erhalten, ob bei Ihnen ein vasospastisches Syndrom vorliegen könnte. | ||
| Es konnte gezeigt werden, dass die im Rahmen des vasospastischen Syndroms auftretenden Minderdurchblutungen im Auge einen gewissen Risikofaktor für verschiedene Augenerkrankungen darstellen. Unter anderem konnte gezeigt werden, dass bei fast der Hälfte aller Patienten, welche trotz normalem Augeninnendruck einen Glaukomschaden entwickelt haben, ein vasospastisches Syndrom vorliegt. | ||
| Obwohl viele Menschen ein vasospastisches Syndrom haben, welches zum Glück relativ selten auch ernsthafte Erkrankungen auslösen kann, existieren bisher noch wenig wissenschaftlich gesicherte Daten über dieses Syndrom. Dementsprechend stehen die Therapieansätze noch in den Kinderschuhen. |