11. Therapie
     
Wie behandelt man ein Glaukom?
    Grundsätzlich gibt es 3 Möglichkeiten, wie ein Glaukom behandelt wird:
     
    1. Medikamente (Augentropfen, Tabletten)
    2. Laser-Chirurgie
    3. Konventionelle Chirurgie
     
    Ein Glaukom kann behandelt, aber nicht geheilt werden. Mit anderen Worten heisst dies, dass wir zwar imstande sind die Krankheit zu kontrollieren, um so eine Verschlechterung des Sehens zu verhindern, aber schon bestehende Schäden können nicht mehr rückgängig gemacht werden.
     
    Behandelt wird diese Krankheit mit Medikamenten (Augentropfen, Tabletten), Laserchirurgie, einer konventionellen Augenoperation oder einer Kombination dieser Methoden. Das hauptsächliche Bestreben bei der Behandlung des Glaukoms liegt in der Senkung des Augeninnendruckes. Dies wird grundsätzlich zuerst mit Augentropfen versucht. Meist werden erst bei ungenügendem therapeutischem Erfolg, sei dies ein weiterhin noch zu hoher Augeninnendruck oder ein Fortschreiten des Schadens am Sehnerv oder im Gesichtsfeld, andere Methoden in Betracht gezogen. Obwohl die Senkung des Augeninnendruckes mit weit aus dem grössten Erfolg durchgestzt werden kann, bestehen weitere therapeutische Bestrebungen wie die Verbesserung der Durchblutung oder das Schützen der Nervenzellen im Sehnerven vor dem enstehenden Schaden (sog. Neuroprotektion).
     
    Die Mitarbeit des Patienten
    Die Mitarbeit des Patienten ist beim Glaukom leider häufig nicht optimal. Dies liegt sicher daran, dass das Glaukom keine Beschwerden verursacht, während die Augentropfen doch meist die eine oder andere Unannehmlichkeit verursachen. Nach der Devise, dass ein Medikament ohne Nebenwirkungen meist auch keine Wirkung zeigt, müssen vom Glaukom-Patienten in der Regel geringe Nebenwirkungen in Kauf genommen werden.
     
    Wird einmal ein Glaukom festgestellt, so muss die Therapie meist lebenslänglich durchgeführt werden. Kennt man jedoch die Gefahren des Glaukoms, fällt es leichter, sich an die Anweisungen des Arztes zu halten. Bedenken Sie als Patient bitte folgendes:
     
    «Sie tropfen nicht für den Arzt, sondern damit Sie nicht erblinden!» Sollten Sie mit Ihrer Therapie nicht zurecht kommen, so sprechen Sie bitte mit dem Augenarzt, aber handeln Sie nicht eigenmächtig!
     
    Wir werden nun auf diese unterschiedlichen Therapien eingehen.
     
    MEDIKAMENTE
     
    Augentropfen
    Alle Augentropfen können ein Augenbrennen hervorrufen. Dies ist meist nicht wegen dem Wirkstoff selber, sondern wegen antibakteriellen Stoffen, welche in der Lösung mitenthalten sind. Dieses Brennen hört aber nach einigen Sekunden auf. Gewisse Medikamente haben nur eine beschränkte Wirkungsdauer und müssen deshalb mehrmals täglich zu bestimmten Tageszeiten angewendet werden. Es ist wichtig, dass Sie die Anweisungen genau befolgen, denn sonst wird ihr Augeninnendruck nicht genügend gesenkt.
     
    Medikamente in Augentropfen können in den Blutkreislauf gelangen. Darum ist es wichtig, dass Sie Ihrem Augenarzt mitteilen, was für andere Medikamente Sie noch zusätzlich einnehmen und an welchen anderen Krankheiten Sie noch leiden. Der Augenarzt entscheidet dann, welche Medikamente zur Augenbehandlung für Sie in Frage kommen.
     
    Es sollten so wenig wie möglich Wirkstoffe aus den Augentropfen in den Blutkreislauf und soviel wie möglich ins Auge kommen. Die Hauptmenge der in den Blutkreislauf gelangender Augentropfen finden ihren Weg über die Nasenschleimhaut. Hiergegen können auch Sie etwas unternehmen: Schliessen Sie Ihre Augen für ein bis zwei Minuten, nachdem Sie die Augentropfen angewendet haben und drücken Sie während dieser Zeit leicht gegen den Augenwinkel, der zu Ihrer Nase schaut. Dieses Drücken verschliesst den Tränenkanal, der die Tränenflüssigkeit zur Nase führt.
     
    Nun werden wir auf die verschiedenen Medikamente eingehen, welche als Augentropfen bei der Glaukomtherapie angewendet werden. Die nachfolgende Liste ist nicht komplett und wird regelmässig überarbeitet.
     
    Medikamentengruppe   Wirkung   Nebenwirkung
             
    Parasympaticomimetika        
   

Pilocarpin
Aceclidin
Carbachol

  Öffnung des Trabekelwerkes somit Abfluss Möglichkeit des Kammerwassers verbessert   Pupillenverengung, Akkomodation (Anpassung des Auges an die Nähe), Allergie, Asthma, Schwitzen, Bauchbeschwerden
             
    Sympaticomimetika        
    Adrenalin
Dipivefrin
Apraclonidin
Brimonidin
  Öffnung des Trabekelwerkes somit Abfluss Möglichkeit des Kammerwassers verbessert, neuroprotektiv ?   Augenrötung, Herzrasen, Blutdruck steigernd, Kopfschmerzen, Zittern
             
    Sympaticolytica        
    Timolol
Betaxolol
Levobunolol
Carteolol
Metipranolol
  Vermindert Produktion von Kammerwasser und somit Augendrucksenkung   Atembeschwerden beim Asthmatiker, Herzfrequenz verlangsamend, Blutdruck senkend und vieles andere mehr
             
    Karboanhydrasehemmer        
    Dorzolamid
Brinzolamid
  Vermindert Produktion von Kammerwasser und somit Augendrucksenkung   Missempfindungen, Hörstörungen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Nierensteine und vieles andere mehr
             
    Prostaglandin-Derivate        
    Latanoprost
Unoproston
  Abflusserleichterung und somit Augendrucksenkung

  Augenrötung, Brennen, Zunahme der Irispigmentation, somit Bräunen der Iris
             
    Bezüglich den Nebenwirkungen möchten wir erwähnen, dass viele Patienten überhaupt keine Nebenwirkungen haben. Bitte lesen Sie aber aufmerksam die Packungsbeilage Ihres Medikamentes und/oder fragen Sie Ihren Arzt.
     
    Tabletten
    In gewissen Fällen genügen Augentropfen alleine nicht, um den Augendruck zu senken. In solchen Fällen müssen neben Augentropfen zusätzlich Medikamente in Tablettenform eingenommen werden. Da diese Medikamente nicht direkt am Auge angewendet werden, sondern via Blutkreislauf zum Auge gelangen, kommt es auch vermehrt zu Nebenwirkungen (siehe «Wirkungen und Nebenwirkungen»).
     
    Patienten, welche an einem Normaldruck-Glaukom oder an einem Glaukom leiden das trotz gesenktem Augeninnendruck weiter fortschreitet, profitieren von Medikamenten, welche die Durchblutung fördern. In diese Gruppe von Medikamenten gehören die Kalziumantagonisten und Magnesium. Diese Mittel wirken in der angewandten Dosis allerdings weniger Gefässerweiternd, als vielmehr regulierend, so dass überreaktive Gefässe weniger ungewollte Verengungen durchmachen. Bei gewissen Patienten ist es auch von Vorteil, wenn ein arg tiefer Blutdruck etwas gesteigert wird. Dies wird am ehesten dadurch erreicht, dass die Salzzufuhr durch die Nahrung oder durch Tabletten gesteigert wird (siehe «Anhang»).
     
    LASERCHIRURGIE
     
    Wenn mit Medikamenten der gewünschte Effekt nicht erreicht wird oder die Medikamente vom Patienten nicht vertragen werden, so muss auf eine andere Art versucht werden, den Augeninnendruck zu senken.
     
    Die Laserchirurgie ist zu einem sehr wichtigen Werkzeug in der Augenheilkunde geworden. Die meistverbreitete Methode der Laserchirurgie beim Offenwinkel-Glaukom ist die sogenannte Trabekuloplastik. Sie dauert etwa 10 bis 20 Minuten, ist schmerzlos und kann ohne Spitalaufenthalt durchgeführt werden. Der Patient kann nach dem Eingriff nach hause gehen und seinen gewohnten Tätigkeiten nachgehen.
     
   

     
    Der Laserstrahl wird in einer Hälfte der gesamten Zirkumferenz des Kammerwinkels auf ungefähr 50 Stellen des «Trabekelwerkes» eingestellt und diese Gebiete werden leicht verbrannt. Dadurch entstehen dort Narben, welche sich zusammenziehen und somit die danebenliegenden Gebiete aufdehnen, wodurch wieder mehr Flüssigkeit aus dem Auge fliessen kann.
     
    Bei bis zu 80 Prozent der Patienten kann hierdurch eine gewisse Augeninnendrucksenkung erreicht werden. Bis sich aber der gewünschte Effekt einstellt, kann es einige Wochen dauern. Während dieser Zeit muss der Patient seine Augentropfen weiterhin nehmen. Oft muss der Patient seine Medikamente oder einen Teil dieser auch in Zukunft weiter verwenden. Dies ist aber nicht immer der Fall und der Augenarzt wird wissen, was in Ihrem Fall nötig ist. Leider zeigt diese Behandlung aber nur einen zeitlich begrenzten Erfolg, so dass hiermit eine traditionelle Operation lediglich aufgeschoben wird.
     
    KONVENTIONELLE CHIRURGIE
     
    Wie oben erwähnt, kann bei ungenügendem Therapieerfolg durch Medikamente und Laserchirurgie ein konventioneller Chirurgie-Eingriff nötig werden.
     
   

     
    Die am meisten verbreitete Methode ist die sogenannte Trabekulektomie.
     
    Sie wird unter lokaler Augenbetäubung durchgeführt und der Patient bleibt über Nacht zur Überwachung im Krankenhaus oder kann unter Umständen am gleichen Tag wieder nach hause gehen. Der Patient muss wissen, dass es manchmal lange Zeit in Anspruch nehmen kann, bis wieder die Sehkraft erlangt wird, welche vor der Operation vorhanden war. Bei dieser Methode wird ein gedecktes Ventil in der Lederhaut geschaffen und somit kann das Kammerwasser problemlos aus dem Auge unter die Bindehaut fliessen, was den Augendruck deutlich senkt. Die meisten Patienten können dann auf Medikamente zur Augendrucksenkung verzichten.
     
    Obwohl die Trabekulektomie eine relativ effektive und sichere Methode ist, hat eine Operation manchmal unerwünschte Nebenwirkungen wie etwa Augenentzündungen, Augeninfektionen, Hornhautprobleme. Auch entwickeln etwa ein Drittel aller Patienten innerhalb von 5 Jahren eine Linsentrübung (grauer Star, Katarakt). Ausserdem kann der Operationserfolg durch eine Vernarbung der neu geschaffenen Öffnung den ersten Operationserfolg zu Nichte machen.